Dienstag, 1. Oktober 2013

PROJEKT 364 - 4. Monatsbericht

Im 4. Monat meines Projekt 364, dem September habe ich mich sehr viel mit der Streetlife Fotografie beschäftigt.
Streetlife, das fotografieren auf der Straße, von alltäglichem, dem Normalen. Auf den Sensor bringen, wie das wahre Leben wirklich ist , nichts gekünselt, nichts gestellt, den Moment festgehalten.


Wenn man es als Betrachter zuläßt, entwickelt sich eine Streetlife Aufnahme schnell zu einem one-picture-movie, ein einzelnes Bild, welches in Gedanken einen ganzen Film abspielen lässt.
Was passiert gerade, was war vorher und was geschieht wohl als nächstes?
Man kann in solchen Fotos viel hinein interpretieren und doch ist man ungewiss ob es der Wahrheit enspricht.









Hier einige Beispiele, einige Gedanken, meine eigenen Interpretionen die ich hatte als ich die Aufnahmen machte, bzw. diese Fotos mir im nachhinein betrachte und auf mich wirken gelassen habe.


Der Schreiber
Vertieft über sein Block, schreibend sitzt der Mann auf einer Bank. Was mag er wohl notieren? Ein Gedicht, ein Liedtext oder Liebesbrief? Oder ist es doch nur eine Einkaufsliste? Vertieft in seine Arbeit, auch nicht nur ein kurzer Blick von den Zeilen abwendend nimmt es seine Umgebung nicht wahr. Ich habe dieses Foto, mit Hilfe von Snapseed versucht so zu bearbeiten, wie ich diese Szene in dem Moment der Aufnahme gesehen habe, so wie sich das one-picture-movie sich in mir abspielte. Durch die aufgehellte und unscharfe Umgebung des Schreiberlings wollte ich darstellen, dass der Mann in sich gekehrt und auf seine Zeilen fixiert ist und das sein Umfeld für diesen Moment, für ihn selber nicht existent ist.



Rebelierende Jugend
Drei Jugendliche, sitzend an der Bahnsteigkante, Freunde, eine Clice, der Gefahr nicht bewußt oder bewußt ignorierend. Was kann da alles passieren? Wie gefährlich ist diese Situation wirklich? Wissendlich ignorierend, rebelisch oder doch nur nicht vorrausschauend? Trifft das auf alle drei gleichermassen zu oder ist ein Jugendlicher dabei, der anders denkt, ängstlich als Feigling, Spießer oder Spielverderber zu gelten. Aber vieleicht denken ja alle richtig, es traut sich nur keiner der dreien etwas zu sagen, man will ja hart sein, cool, einfach dazu gehören. Aber es gibt wichtigeres, es wird diskutiert, gealbert, vieleicht geflirtet. Moment, geflirtet? Drei sind doch einer zuviel! Ach nee, es sind ja vier. Zwar nicht alle körperlich Anwesend, aber denn noch präsent, es wird telefoniert. Wird sich gerade verabredet oder bescheid gesagt, dass man unterwegs ist?


Erschöpft
Diesen Mann, vom Leben gezeichnet sehe ich täglich wenn ich auf dem Nachhauseweg von der Arbeit im Zug sitze. Immer lächelnd, stets freundlich bewegt er sich in dem Zug von Wagon zu Wagon, immer auf der suche nach Flaschen und Dosen die Pfand bringen. Höflich die Reisenden fragend, ob er mal dran könnte wird auch wirklich jeder Mülleimer nach Beute durchsucht. Ein Teilstück der Mass-Wupper-Express Strecke Hamm-Venlo scheint sein Revier zu sein, Tag für Tag. In Schwerte beobachte ich ihn manchmal, den Zug verlassend in den nächsten steigend um die Fahrt in entgegengesetzter Richtung fortzuführen. Ich hatte Spätschicht, daher war ich etwas später unterwegs, erschöpft ließ er sich mir gegenüber nieder, in seine Tüte schauend betrachtete er sich seine Ausbeute seiner letzten Tour. Sein Lächeln war verschwunden, er lehnte sich zurück. War es ein anstrengender Tag, wurde er vielleicht beschimpft, beleidigt oder war er einfach unzufrieden mit seiner heutigen Errungenschaft? In Hagen stieg er mit mir aus, von seiner Frau in Empfang genommen sah ich nur noch, wie beide in Richtung Kiosk gingen, offensichtlich die Beute von der letzten Tour zu Geld machen wollend.




Mich begeistern Streetlife Aufnahmen sehr, sie regen mich zum Nachdenken an und lässt meine Fantasie spielen.

 Wie sagte einst Henrie Cartier-Bresson so schön 
 “Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut”.

 Es gibt einige Fotos die das schaffen, Landschaftsaufnahmen, Architkturfotos, natürlich auch Fotos aus dem Bereich der Peoplefotografie, aber wenn ich anhand dieses Zitates für mich selber bemesse, was ein gutes Foto ist, dürfte ich in der Kategorie Streetlifeaufnahme am ehesten fündig werden.

 Das war es mit dem 4. Monatsberichtes für mein PROJEKT 364. Ich freue mich schon auf den nächsten Monat und bin gespannt was mich da erwartet.

 Gruß,
Euer Andreas

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